Wir freuen uns auf das baldige Wiedersehen

Liebe Freunde von Kunst und Kultur,

der Ausklang des Jahres 2020 wird uns nicht leichtfallen. Die verschärften Corona-Maßnahmen zwingen uns, den vertrauten Alltagsablauf komplett umzugestalten, nämlich unsere sozialen Kontakte sowie kulturellen Tätigkeiten noch drastischer zu beschränken oder sogar ganz zu vermeiden. Noch darüber hinaus befinden wir uns in der dunkelsten und kältesten Zeit des Jahres, in der wir genau diese Wärme von sozialen Kontakten brauchen, um unsere gesellige Seele mit ihrem so notwendigen Licht zu erhellen.

Unter diesen Umständen verabschiedet sich das Jahr 2020 von uns: in diesem Dezember wird es weder Weihnachtsmärkte geben, auf denen wir uns mit unseren Mitmenschen zum geselligen Beisammensein treffen, noch das gewohnte Weihnachtsfest, an dem wir tiefste Besinnung mit unserer ganzen Familie erleben. Das ausklingende Jahr 2020 hinterlässt uns auf diese Art und Weise ein sehr seltsames Gefühl, aufgrund einer globalen Pandemie von dem Umfeld isoliert zu sein.

Sozialer Kontakt ist sowohl aus einer psychologischen als auch aus gesellschaftlich-kulturellen Perspektive eines der unabdingbaren und essenziellen Elemente menschlichen Lebens. In der Zeit einer globalen Pandemie kann sozialer Kontakt jedoch lebensbedrohliche Wirkung haben, weil er die Verbreitung des Virus begünstigt. Die starke Einschränkung unseres sozialen Kontakts, die als eine der wichtigsten Maßnahmen gegen die virale Verbreitung gilt, hemmt gleichzeitig auch die Verbindung zwischen Kultur und ihren Konsumenten. Die harte Entscheidung, Kulturschaffende nicht zu den systemrelevanten Berufen zu zählen, die von unseren Politikern in der Pandemie-Zeit getroffen worden ist, betrifft unzählige Menschen aus dieser Branche sowohl finanziell als auch geistig erheblich. Aus unserer Sicht ist auch das kulturelle Leben essenzieller Teil der menschlichen Existenz: das Materielle trägt das Immaterielle; das Geistig-Ideelle jedoch gibt der materiellen Schöpfung erst ihren Sinn. Genau in diesem Immateriellen, Geistig-Ideellen liegt die Kraft der künstlerischen Schöpfung:

Unser Verein betrachtet Kunst gerne in ihrem Schaffensprozess, in dem das Wahrhaftige eines Schaffenden physisch erfahrbar hervorgebracht wird. Dieses Wahrhaftige ist die enthusiastische Kreativität des menschlichen Tuns, das von der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Situation unabhängig ist. Genau in diesem Schaffensprozess liegt das Wesenhafte der schöpferischen und nachdenklichen Seele eines Menschen, das die Kraft der Kunst ist.

In einer durch und durch politisierten und ökonomisierten Industriegesellschaft besteht die Beziehung zwischen Kulturschaffenden und Kulturkonsumenten aus einer fast ausschließlich wirtschaftlichen Denkweise: die eine Menschengruppe produziert, die andere Menschengruppe konsumiert deren Produkte, logischerweise spricht man nach dieser Denkweise auch von Kulturkonsumenten. Bösartig formuliert mag man die Beziehung als eine Art der Dienstleistung bezeichnen. Beispiele der sprachlichen Anwendung im Fachbereich der Kulturindustrie sind Termini wie „Zielgruppe der Kunstausstellung“ und „Kulturevents“ etc. Sie sind Belege der ökonomisierten Denkweise in der Kunst- und Kulturbranche, die sich nach der Erbringung einer Dienstleistung orientiert. Selbstverständlich ist diese „Dienstleistung“ nicht vergleichbar mit der Dienstleistung im Lebensmittel- oder medizinischen Bereich, die in einer global verbreiteten Krisenzeit für das Überleben unabdingbar sind.

Nach dieser Denkweise ist der Grund für die Schließung der zahlreichen Kulturinstitutionen nachvollziehbar. Es gab keinen Raum zu diskutieren, ob unter den Corona-Maßnahmen kulturelle Veranstaltungen in einer kontrollierten Art durchgeführt werden könnten. Unter dieser makrokosmischen Konstellation müssen die Termine der von uns konzipierten Veranstaltungen und Kunstausstellungen immer wieder verschoben werden. Das menschliche Leben wird auf das Überleben reduziert; die Kraft des Geistes, die Einem Selbstvertrauen, Geduld, Zuversicht, Empathie und eine komplexe Sichtweise durch Selbsterkenntnis und wissbegierige Suche nach der Wahrheit bringt, wird in der Öffentlichkeit als Nebensächlichkeit eingestuft.

Aus dieser oben beschriebenen Lage kehren wir zu der Kraft der Kunst zurück. Ihr Dasein bleibt nach wie vor lebensnotwendig. Sie kümmert sich nicht um die äußerlichen Gegebenheiten; auch die Meinung, dass Kunst und Kultur in der Krisenzeit der Pandemie nicht systemrelevant seien und deswegen nicht auf der alltäglichen Bühne des Lebens auftreten sollten, interessiert sie nicht. Es ist daher unser Wunsch, Ihnen diese geistige Kraft vermitteln zu können, Ihnen diese vitale Vibration näherbringen zu können, und in Ihnen das Bewusstsein für die unerschöpfliche Kraft der Denkenden, Schreibenden, Malenden, Tanzenden, Singenden und Musizierenden zu erwecken; so werden Sie die Kraft des wahren Lebens spüren: Sie werden mit Hilfe der Kraft der Kunst achtsamer und geduldiger sein, gegenüber sich selbst und Ihrer Umwelt.

Ein achtsamer Mensch ist ein wachsamer Mensch. Er ist innerlich hell und reich, sodass er sich von äußeren Stimmungen nicht negativ beeinflussen lässt. Er ist nie einsam, weil er stets ehrlich mit sich umgeht und nie seine Orientierung verliert. Die dunkle Winterzeit ist die Zeit des Lichts. Wenn das innere Licht angeschaltet ist, kann das Licht unseren Weg in die Zukunft erhellen. Ein Verein wie unserer, der seinen Blick auf Kunst und Kultur wirft, ist ein überzeugter Mutmacher, der seinen Mitmenschen positive Energie aussendet: das Licht muss bestehen bleiben, denn es erhellt unsere Augen und weist uns einen Weg aus dieser schwierigen Zeit. Wir bedauern es, dass unsere kulturellen Veranstaltungen aktuell nicht stattfinden können, sodass wir Sie nicht dazu einladen können, in einen Austausch mit unseren Gedanken zu bestimmten Kulturthemen einzutreten. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir Ihnen in der nahen Zukunft wieder spannende Erlebnisse aus Kunst und Kultur anbieten können. Gleich im Frühjahr dürfen Sie die weiteren Folgen unserer Podcastserie erwarten, in der wir mit spannenden Personen aus dem Bereich des Kulturmanagements sprechen werden.

Wir hoffen, dass Sie auf Kunst und Kultur weiterhin gespannt bleiben und wünschen Ihnen eine besinnliche Zeit.

Auf eine Wiederbegegnung freuen wir uns!

Machen Sie es gut und bleiben Sie gesund!

Ihre Xiao Xiao

Projektleiterin

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